Jahresrückblick 2016

Das neues Jahr hat begonnen. Hier geben wir Euch einen Rückblick, damit ihr sehen könnt, was sich im Jahr 2016 alles bei uns getan hat:

Liebe Freunde und Unterstützer,

wir hoffen, ihr seid alle recht fröhlich in das neue Jahr gekommen und hattet einen angenehmen Ausklang aus 2016.  Wir möchten uns in diesem Schreiben herzlich für Eure großzügige und teilweise langjährige Unterstützung bedanken. Es ist nur Dank treuen Förderern wie Euch möglich, unsere langjährige Arbeit für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in Westafrika erfolgreich fortzusetzen. Außerdem berichten wir Euch, was sich bei uns und unseren Projekten im letzten Jahr getan hat.

Projekte in Togo 

der Kindergarten

Ihr alle kennt das Projekt, mit dem unser Verein „groß“ geworden ist: Der Kindergarten in Tomegbe. Entstanden auf Wunsch und Initiative der Dorfgemeinschaft Tomegbes, wurde er mit Hilfe eurer Spenden gebaut. Im Laufe der Jahre haben viele Kinder den Kindergarten besucht. Einige Dorfbewohnerinnen wurden zu Kindergärterinnen ausgebildet was neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Um die monatliche Gebühr für die Verpflegung im Kindergarten zu reduzieren, haben wir zudem den Bau einer Seifenmanufaktur unterstützt, in der die Eltern bei der Seifenproduktion mithelfen. Mit Geldern des BMZ haben wir zusätzlich den Bau einer Küche ermöglicht, um allen Kindern täglich eine warme Mahlzeit zu garantieren. Eine Köchin kocht täglich für die Kinder.

Nach all dieser Anschubunterstützung ging es im letzten Jahr darum, den laufenden Betrieb sicherzustelllen. Dafür haben wir die Kirche vor Ort als Partner gewonnen. Die Übergabephase war recht nervenaufreibend, da unser Vertreter vor Ort chronisch erkrankt war, die Übergabegespräche ins Stocken gerieten, es Unklarheiten über das Engagement der Dorfbevölkerung, der Vereinsmitglieder und des neuen Besitzers und Betreibers gab und einige Löhne der Kindergärterinnen nicht gezahlt wurden. Inzwischen konnten wir die fehlenden Gehälter ausgleichen und den Vertrag mit der Kirche abschließen. Auch die dorfinternen Auseinandersetzungen über die Inhaberschaft des Kindergartens konnten aus dem Weg geräumt werden. Ab jetzt trägt die Kirche Sorge und Verantwortung für den Kindergarten – und wir sind sehr zuversichtlich. Es werden weiterhin Kinder aller Religionen aufgenommen und der Vertreter der Kirche sendet uns regelmäßig Informationen. In den vergangenen Monaten haben wir während des Abschlusses dieser langjährigen Tätigkeit gelernt wie wichtig, aber auch komplex und aufwendig eine gelungene Übergabe von Projekten ist. In Zukunft werden wir natürlich weiterhin nach Tomégbe reisen und euch davon berichten, wie es dem Kindergarten und den Menschen des Dorfes geht. Und ganz aus Tomegbé werden wir uns eh‘ nicht verabschieden… wir arbeiten wir dort ja noch an einem weiteren Projekt zu Mikrokrediten.

Kooperation mit der S.H.A.R.E. Stiftung

Unsere Kooperation mit der S.H.A.R.E. Stiftung für Mikrofinanz, fairen Handel und Friedensförderung wurde auch im Jahr 2016 erfolgreich fortgesetzt. S.H.A.R.E. finanziert in Tomegbe eine kleine Dorfbank, die kleine Einzel- und Gruppenkredite vergibt und somit Mitgliedern der Dorfbevölkerung dabei unterstützt, ihre Landwirtschafts-, Handels-, Textil- oder andere Projekte aufzubauen oder auszuweiten. Beim letzten gemeinsamen Besuch der S.H.A.R.E. und agbe Teams in Tomégbe im Oktober 2016 konnten wir mit eigenen Augen sehen, wie sich die Dorfbank positiv weiterentwickelt hat. Zweifelsohne trägt die Dorfbank zur wirtschaftlichen Entwicklung der Bewohner Tomégbes bei. Es gibt immer mehr den Wunsch, zahlreichere, längere und größere Kredite zu nehmen.

Gleichzeitig setzt die Dorfbank weiterhin auch Wohltätigkeitsprojekte mit den Gewinnen um (beispielsweise wurden Teile der Gewinne zur Unterstützung des Kindergartenbetriebs eingesetzt und die Schulgebühren für besonders benachteiligte Kinder bezahlt). Dennoch war 2016 ein schwieriges Jahr, welches von Dürre und Waldbränden geplagt war. Einige Kreditnehmer sind mit der Bezahlung ihrer Schulden in Verzug geraten, was zu einem Liquiditätsengpass geführt hat. Im Jahr 2017 wird es nun darum gehen, die Dorfbank in ein existierendes Netzwerk, nach dem Modell der Darlehenskassen, zu integrieren, damit solche Engpässe in Zukunft vermieden werden können.

Kooperation mit den Ingenieuren ohne Grenzen

Im Jahr 2016 wurde auch die Zisterne für den Kindergarten und das Dorf fertig gestellt. Dies ist ein Projekt, welches von unserem Partnerverein Ingenieure ohne Grenzen (Regionalgruppe Leipzig) durchgeführt wurde. Im Februar waren zwei Ingenieure, Duc und Robert, vor Ort, um gemeinsam mit den Dorfbewohnern die Zisterne zu bauen. Mittlerweile verwandelt sie das Regen- und Grundwasser in wertvolles Trinkwasser, was nicht nur von den Kindern des Kindergartens getrunken werden kann, sondern dem gesamten Dorf zugute kommt. Eine Wasserleitung führt sogar von der Zisterne zu den Wasserhähnen in den Kindergartengebäuden. Fotos von der Zisterne könnt ihr bald auf unserer Homepage und auf unserer Facebookseite sehen.

Der Abschluss des Projektes „Kindergarten“ gab uns die Kapazität für neue Projekte. Und so haben wir erstmals Projekte außerhalb Togos in Angriff genommen und engagieren uns seit 2016  – wie immer gemeinsam mit lokalen Partnern – auch in Burkina Faso.

Projekte in Burkina Faso

Seit Anfang 2016 arbeiten wir nun verstärkt mit der lokalen Organisation RESEAU in Burkina Faso zusammen. Dessen Vorsitzender, Tassére Derra, ist seit zehn Jahren mit Johanna befreundet und hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinem Team schon 37 (!) Schulen gebaut, sich für Mikro-Finanzprojekte engagiert, ein Waisenprojekt ins Leben gerufen und Alphabetisierungskurse für Erwachsene in Dörfern um Ouagadougou eingeführt. (Und zu Eurer Info: Er macht das wie wir von agbe in seiner Freizeit, denn hauptberuflich arbeitet er in der Regierungsverwaltung für Soziales. 😉

Mit ihm und seinem Verein haben wir im Jahr 2016 Einiges auf die Beine gestellt. So haben wir mit Hilfe Eurer Spendengelder und in Zusammenarbeit mit dem Verein Yehla e.V. im Armenviertel Tampouy in Ouagadougou den Bau eines Ausbildungszentrum für Lehrer ermöglicht. In Tampouy gibt es keinen Strom, kein fließend Wasser, nur Lehmhütten und staubige Straßen. Viele Kinder sind in der Vergangenheit nicht zur Schule gegangen, da diese zu weit weg waren. Aber seit RESEAU vor einigen Jahren einen Schulkomplex gebaut hat, hat sich einiges verändert: Erstmals gibt es eine Schule mitten in dem Armutsviertel.

Mit dem Bau des Ausbildungszentrums für Lehrer ist nun auch die Grundlage für weitere Schulen gelegt worden: Dort werden in einer zweijährigen Ausbildungszeit Lehrer für Dorfschulen im ganzen Land ausgebildet. Das Zentrum eröffnete am 20. November 2016. Mit Hilfe Eurer Spenden können wir also sicherstellen, dass Bildung in eines der ärmsten Viertel der Hauptstadt Ouagadougou gebracht wird.

Zu Beginn des Jahres 2016 haben wir zudem entschieden, den Brunnenbau in dem Armenviertel Tampouy zu unterstützen. Mithilfe der Spendengelder seitens der Kampagne „Wasser ist Leben“ konnten wir diese Idee in die Realität umsetzen. Burkina Faso ist ein extrem trockenes Land. Es gibt kaum Flüsse oder Gewässer, und für Trinkwasser muss tief gegraben werden. Nachdem wir RESEAU unsere Unterstützung zugesagt hatten, ging es ganz schnell. Eine Firma aus dem Armenviertel wurde beauftragt, Brunnenbohrungen durchzuführen und den Brunnen zu bauen. Innerhalb von nur wenigen Wochen stand der Brunnen! Und die Resonanz der Bewohner ist überwältigend: tagtäglich kommen Hunderte von Frauen von weit her um Wasser zu schöpfen. Gerade jetzt zur Trockenzeit wird er dringend benötigt. Und dank Eurer Spenden können wir einen entscheidenden Unterschied für das Leben der Menschen in Tampouy machen.

Neue Projekte in diesem Jahr

Im Oktober/November 2016 waren Johanna und Nadine mal wieder auf Projektreise in Togo und Burkina Faso. Während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes haben sie sich ein Bild von den vielen verschiedenen Projekten in Togo und Burkina Faso machen können. Nach Rücksprache mit den anderen agbe-Mitgliedern haben wir gemeinsam beschlossen, uns in diesem Jahr besonders auf die Förderung von sehr armen ländlichen Gebieten in Burkina Faso zu konzentrieren. Johanna und Nadine haben ein weitläufiges Dörfchen im burkinischen Busch besucht: Mouni. Es ist etwa zwei Autostunden von Ouagadougou entfernt. Die Menschen dort sind sehr arm, aber sie haben Johanna und Nadine mit so viel Herzlichkeit und Freundschaft empfangen. Die beiden haben sogar fünf Hühner, fünf Kilo Erdnüsse und Sesam als Zeichen der Dankbarkeit für ihren Besuch erhalten. Auch haben die beiden mit dem Verein RESEAU potentielle neue Projekte besprochen: Aufgrund der extremen Trockenheit im Land wird ein Brunnen dringend für die Trinkwasserbeschaffung und Bewässerung der Felder benötigt. Zum anderen haben wir beschlossen auch das Mikrokredite-Projekt vom Verein RESEAU in den Dörfern unterstützen: Bewohner erhalten einen sehr kleinen Kredit (zwischen 38 und 80 Euro) und haben ein ganzes Jahr Zeit, diesen zurückzuzahlen, jedoch komplett ohne Zinsen. Der zurückgezahlte Kredit steht dann einem neuen Dorfbewohner zur Verfügung. So können kleine konkrete Projekte der Dorfbewohner, wie der Kauf von neuem Vieh oder Getreide, unterstützt werden. Ein spezielles Projekt, welches wir gerne in diesem Rahmen unterstützen, ist das Ochsenprojekt: Eine Familie erhält vom Verein RESEAU einen jungen Ochsen und lässt diesen auf dem Feld arbeiten. Nach ca. zwei Jahren ist der Ochse so groß, dass er für das dreifache an Geld verkauft werden kann. Von dem Geld kauft sich die Famlie dann zwei neue Ochsen. Einen gibt sie dem Verein RESEAU zurück, den anderen behält sie. Der Verein hat nun wieder einen Ochsen, den sie an eine andere Familie geben kann.

Wie ihr seht, bleiben wir auch im neuen Jahr sehr aktiv und unterstützen auch weiterhin dringend benötigte Projekte in Westafrika. Und das ist nur möglich mit Eurer Hilfe! Für Eure Wertschätzung unserer Arbeit und das Vertrauen in agbe möchten wir Euch von ganzem Herzen Danke sagen. Eure Spenden sind eine große Bereicherung für viele Menschen in Togo und Burkina Faso. Es ist schön, Euch an unserer Seite zu wissen!

Viele Grüße

Eure agbe’s